Wählerkompass Klimaschutz: Lollar

Welche Position beziehen die Lollarer Ortsverbände in Sachen Klimaschutz? Was sind ihre Ziele? Mit welchen ganz konkreten Maßnahmen wollen sie diese in der kommenden Legislaturperiode angehen? Wir haben für Euch nachgefragt und an alle Fraktionen einen Wahlprüfstein-Katalog versandt.

Hier könnt Ihr nachlesen, wie wir vorgegangen sind und was in die Auswertung eingeflossen ist:

Unsere Wahlprüfsteine sind am 25. Januar an alle Parteien per Email verschickt worden, von denen eine Mailadresse zu finden war. Wir baten um kurze Bestätigung des Erhalts.
Wo nur ein Kontaktformular oder ein Social-Media-Kontakt vorhanden war, baten wir um Übersendung einer Mailadresse, an die wir unser Dokument schicken dürfen.

Am 29. Januar haben wir bei allen nachgefasst, die den Empfang bis dahin nicht bestätigt hatten.
An diejenigen Ortsverbände, die schon die Bitte um Bekanntgabe einer Mailadresse ignoriert hatten oder die auch auf nochmalige Nachfrage nicht reagiert haben, haben wir die Wahlprüfsteine per Einschreiben mit der Post verschickt.

So ist sichergestellt, dass alle Ortsverbände den Fragebogen erhalten haben und mindestens 3-4 Wochen Zeit zum Ausfüllen hatten.

Die Einleitung sowie der Infotext zu jedem Themenfeld, in dem wir jeweils die Faktenlage kurz dargelegt haben und die Ihr hier auf der Seite nachlesen könnt, haben in gleicher Form auch die Parteien erhalten. Dies stellt insofern das Minimum an Information zu den Herausforderungen und Notwendigkeiten in Sachen Klimaschutz dar, welches alle Parteien in jedem Fall zur Verfügung hatten, um ihre Stellung zu beziehen.

Die Antworten der Parteien aus den vorgesehenen Antwort-Feldern haben wir vollständig und unverändert in die Auswertung übernommen.

Modifikationen unseres Fragebogens oder zusätzliche Anmerkungen, zum Beispiel per Mail, haben wir nicht mit berücksichtigt, damit das Ergebnis einheitlich, übersichtlich und gut vergleichbar bleibt.

Ebenso haben wir die Antworten nicht auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und bewertet oder in anderer Weise kommentiert.

Ausdrücklich möchten wir Euch anregen: wenn Euch irgendetwas unklar vorkommt, widersprüchlich oder nicht eindeutig genug, dann schreibt die Ortsverbände an und fragt nach.


Aber nicht nur das, was die Parteien selbst planen, ist für die Wahlentscheidung der Bürger:innen wichtig. Ebenso maßgeblich ist die Frage: Wollen die Fraktionen ihr Ding alleine durchziehen oder im Dialog mit uns, den Einwohner:innen ihrer Kommune? Wird “Bürgernähe” nur auf die Wahlkampf-Fahne geschrieben oder tatsächlich praktiziert?

Wir haben daher auch ausgewertet, wie es in den Lumdatal-Kommunen um die Ansprechbarkeit der Parteien bestellt ist: Welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme werden zur Verfügung gestellt? Wie wird auf eine Kontaktaufnahme reagiert?

Das Ergebnis für Lollar könnt Ihr hier nachlesen:

SPD Lollar

Die SPD Lollar hat auf ihrer Website keine "Kontakt"-Seite, aber im Impressum findet man Mailadresse, Telefonnummer und Postanschrift. Eine automatische Lesebestätigung erhalten wir drei Tage nach unserer Mail. Unsere Fragen werden wenige Tage später beantwortet und auch auf eine Rückfrage wird innerhalb von wiederum drei Tagen reagiert.

CDU Lollar

Die CDU Lollar bietet auf ihrer Internetseite die direkten Mailadressen der Vorstandsmitglieder zur Kontaktaufnahme an, sowie ein Kontaktformular. Im Impressum findet man darüberhinaus allerdings nur Postanschrift und Telefonnummer des Kreisverbands Gießen. Auf unsere Email erhalten wir noch am gleichen Tag eine freundliche, persönliche Antwort. Den Fragebogen erhalten wir vollständig ausgefüllt fristgerecht zurück und auch der weitere Kontakt per Mail ist nett.

Bündnis 90 / Die Grünen Lollar

Auf der Internetseite der Lollarer Grünen wird leicht auffindbar eine Emailadresse zur schnellen Kontaktaufnahme angeboten. Außerdem sind die Facebook- und Instagram-Accounts direkt auf der Startseite verlinkt, über die man ebenfalls in Kontakt treten kann. Im Impressum findet man darüberhinaus eine Telefonnummer und die Postanschrift. Auf unsere Mail erhalten wir binnen 24 Stunden eine automatische Empfangsbestätigung und am darauffolgenden Tag eine nette und ausführliche persönliche Antwort. Auch unseren Fragebogen erhalten wir zeitnah ausgefüllt zurück; der weitere Kontakt ist freundlich, aufgeschlossen und konstruktiv.

FDP Lollar

Von der FDP Lollar haben wir auf unsere Mail noch am gleichen Tag eine automatische Lesebestätigung erhalten. Grundsätzlich erreichbar ist der Ortsverband insofern und ruft seine Emails anscheinend zeitnah ab. Eine tatsächliche Antwort ging uns jedoch in keiner Form zu und auch unsere Fragen wurden nicht beantwortet.


Wahlprüfsteine Klimaschutz in Lollar

Im Dezember 2015 hat die Bundesregierung dem Klimavertrag von Paris zugestimmt, in dem als Ziel die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2°C, besser maximal 1,5°C festgeschrieben worden war. Ein Überschreiten dieser Grenze führt nach Ansicht der Wissenschaft zu dramatischen und unumkehrbaren Umweltveränderungen, die weitreichende Folgen für die Zukunft der gesamten Menschheit haben werden: ein Anstieg der Meeresspiegel, Abschmelzen der Polkappen und Gletscher, Verschieben der Klimazonen, Versauerung der Meere, Artensterben, stärkere und häufigere Wetterextreme, zunehmende Dürren, Stürme, Waldbrände, Überschwemmungen, Hungersnöte, Klimaflüchtlinge, …

Im November 2016 wurde daraufhin der nationale Klimaschutzplan beschlossen, der die Veränderungen in allen relevanten Bereichen vom Energiesektor über Verkehr, Landwirtschaft, Wirtschaft bis zum Gebäudesektor beschreibt, die vorgenommen werden müssen, um das im Pariser Klimaabkommen definierte Ziel zu erreichen. Es wurde dabei eine Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 angestrebt.

Im Oktober 2018 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) den Sonderbericht „1,5 °C globale Erwärmung“, der untersuchte, wie das Klimaziel konkret erreicht werden kann. Das umfassende Werk wurde von 91 Autoren aus 40 verschiedenen Ländern erarbeitet und mehr als 6000 wissenschaftliche Referenzen wurden dafür ausgewertet.

2019 legte das New Climate Institute auf Basis dieser Datenlage die Analyse „1,5°C: Was Deutschland tun muss“ vor.

Das eindeutige Ergebnis: wir können uns nicht bis zum Jahr 2050 Zeit nehmen, um klimaneutral zu werden, wenn die Erderwärmung auf ein noch handhabbares Maß begrenzt werden soll. Die Klimaneutralität muss bereits bis 2030 erreicht sein.

Wir können das schaffen - aber nur, wenn wir sofort handeln
und unseren Treibhausgasausstoß radikal reduzieren.“
(NCI, 1,5°C: Was Deutschland tun muss)

Eine Klimaneutralität bis 2030 ist zu erreichen, indem die Nutzung fossiler Energieträger schnellstmöglich beendet und eine Versorgung mit 100% erneuerbaren Energien angestrebt wird. Um dies wiederum gewährleisten zu können, muss zwangsläufig der Energieverbrauch in allen Bereichen massiv verringert werden. Weiterhin sind jegliche Abholzungen zu stoppen, stattdessen muss in großem Stil aufgeforstet werden. (UNEP, The Emissions Gap Report)

SPD: "Z.Zt. wird in Zusammenarbeit unserer Klimamanagerin mit dem Klima- und Umweltbeirat der Stadt Lollar ein neues Konzept erarbeitet um mit verschiedenen Maßnahmen der Klimakrise entgegenzutreten."

Auf welche Weise haben Sie sich bisher bereits für diese Maßnahmen eingesetzt?

SPD:

"-Schaffung eines Energie- und Klimabeirats sowie Schaffung sowie einer Klimaschutzmanagerin für die Stadt Lollar.
-Ausbau des Bahnhofs Lollar zur bessern Nutzung des ÖPNV (Maßnahme läuft noch!)
-Mitgliedschaft bei 100 Kommunen für den Klimaschutz - deENet e. V.
-Unterstützung der Reaktivierung der Lumdatalbahn
-Errichtung einer P&R Anlage am Bahnhof Lollar (abgeschlossen) sowie dem Ausbau einer P&R Anlage an der Haltestelle Friedelhausen (in Planung für 2021)
-regelmäßige, jährliche finanzielle Unterstützung der Ortsansässigen NABU Vereine bei ihrer Arbeit, insbesondere bei den Projekten im Bereich Lollarer Kopf, Altenberg Odenhausen und den Auwiesen in Salzböden
-Anschaffung von Elektrofahrzeugen und installieren einer elektrische Ladesäule wir auf dem Parkplatz vor dem Rathaus."

CDU

Keine Angabe.

Bündnis 90 / Die Grünen

"Durch die Mitarbeit im, durch unter anderem den kommunalpolitischen Einsatz der Grünen gegründeten, Energie- und Klimabeirates der Stadt Lollar."

FDP

Keine Antwort.

Welches sind Ihre drei vorrangigen, konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Maßnahmen, die Sie in der kommenden Legislaturperiode verfolgen werden?

SPD

"-Ausbau der Radwege im Stadtgebiet Lollar (in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Gießen) auf Grundlage des Radwegekonzept des Landkreises Gießen
-Der Wald spielt eine wichtige Rolle für Lollar. Um einen Gesamtüberblick über unseren Wald zu bekommen, insbesondere im Hinblick auf die zukünftige ökologische und ökonomische Nutzung haben die Gelder für ein Gutachten zur ökologischen, aufgewerteten Bewirtschaftung des Stadtwaldes bzw. der Möglichkeit Waldgebiete brachliegen zu lassen, bereitgestellt. Die Ausschreibung für das Gutachten läuft aktuell.
-Zukünftige Baugebiet sollen klimaneutral geplant und nachhaltiges Bauen unterstützt werden."

CDU

"Die CDU Lollar sieht den Klimawandel als existentielle Bedrohung der Menschheit an. Die Stadt Lollar muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wir unterstützen die Erstellung und Umsetzung eines wirkungsvollen Klimaschutzkonzeptes, wozu wir unsere unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen einbringen werden. Das Klimaschutzkonzept muss vor allem auf sehr konkrete, messbare und nachverfolgbare Ziele heruntergebrochen werden. Es muss in regelmäßigen zeitlichen Abständen gemessen und kommuniziert werden, wo wir uns mit Blick auf die Zwischenziele befinden. Dafür werden wir uns einsetzen. Wir sehen ansonsten die Gefahr, dass Klimaschutzkonzepte zu unkonkret bleiben, viele Konjunktive beinhalten und nicht an objektiv messbaren Zahlen anknüpfen."

Bündnis 90 / Die Grünen

"Alle vorgenannten Aufzählungen sind gleichgewichtig. Es gibt hierzu keine Prioritätenfestlegungen."

FDP

Keine Antwort.

(Grafik: BPX-web / Wikipedia CC BY-SA 4.0, Daten: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

Es ist in den vergangenen 30 Jahren nicht gelungen, den Endenergiebedarf in Deutschland maßgeblich zu reduzieren (Siehe Grafik. Quelle: BMWi).

Energiebedingte Emissionen sind mit 85% an den Treibhausgasemissionen in Deutschland beteiligt und maßgeblich durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht. (UBA 2020)
Der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergiebedarf beträgt noch immer gerade einmal 17%. Insbesondere im Bereich Wärme verbleiben die Anteile seit Jahren auf konstant zu niedrigem Niveau. (BMU 2019)

Das UN-Umweltprogramm (UNEP) hat im Januar 2021 deutlich mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung angemahnt. Ohne eine rasche Beendigung der Nutzung fossiler Brennstoffe seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens unerreichbar.

Um den Endenergiebedarf vollständig aus regenerativen Quellen decken zu können, ist zudem eine unverzügliche Reduzierung des Energieverbrauchs in allen Bereichen um etwa 50% unabdingbar.

Bündnis 90/Die Grünen: "Einsatz für Beratungen im Bereich Müllvermeidung und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen."

Auf welche Weise haben Sie sich bisher bereits für diese Maßnahmen eingesetzt?

SPD

"-alle geeigneten Dächer unserer städtischen Gebäude wurden PV-Anlagen bestückt.
-Versuch der Rekommunalisierung des Stromnetzes (gescheitert, nach Klageverfahren und geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen durch die EU!)"

CDU

"Die CDU Lollar hat die Verwirklichung des Wasserkraftwerks an der Lahn politisch unterstützt. Auch grundsätzlich unterstützen wir sinnvolle Maßnahmen im Bereich der erneuerbaren Energien, sowohl im kommunalen wie privatwirtschaftlichen Sektor."

Bündnis 90/Die Grünen

"Wir sind Mitglied der Klimakommunen in Hessen. Am 01.08.2020 haben wir eine Klimaschutzmanagerin (Vollzeit) eingestellt. Ein Energie- und Klimabeirat wurde auf Betreiben der Lollarer Grünen vor Jahren eingerichtet und wird von uns aktiv unterstützt.
Ein Dachflächenkataster wird in Kürze erstellt."

FDP

Keine Antwort.

Welches sind Ihre drei vorrangigen, konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Maßnahmen, die Sie in der kommenden Legislaturperiode verfolgen werden?

SPD

"-Bei neu Abschluss von Gas- und Stromlieferverträgen grundsätzlich erneuerbare Ernergien bzw. "Öko-Strom"
-Senkung von Strom- und Wärmeenergiebedarf der städtischen Liegenschaften."

CDU

"Die CDU Lollar sieht die dringende Notwendigkeit, den Anteil der regenerativen Energien zu erhöhen. Wir werden sinnvolle Maßnahmen und Projekte in diesem Bereich unterstützen, sowohl im kommunalen wie auch im privatwirtschaftlichen Sektor. Über die genaue Ausgestaltung und technologischen Gegebenheiten können wir vorab keine belastbare Aussage treffen, hierzu erwarten wir uns aber geeignete Informationen und Entscheidungsgrundlagen durch die Verwaltung. Auch über die Frage, welcher prozentualer Anteil an erneuerbaren Energien als Mittelfristziel angesichts des aktuellen Gebäudebestands erreicht werden muss."

Bündnis 90/Die Grünen

"Am 27. Mai 2021 wird ein energiepolitisches Leitbild für die Stadt Lollar in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Prioritätenfestlegungen ergeben sich nicht.
Als Vorbildfunktion muss es uns gelingen auf geeignete Dächer kommunaler Gebäude mit PV zu instalieren. Um auch in privaten und gewerblichen Bereich mehr Akzeptanz zu finden muss eine kostenlose und niederschwellige Beratung angeboten werden.
Wir unterstützen den Klimabeirat, der in oben genannter Sache schon tätig wurde.
Mehr Veranstaltungen für alle BürgerInnen die die Akzeptanz der Klimaschutzziele und Nachhaltigkeit fördern."

FDP

Keine Antwort.

Der Endenergieverbrauch ist in den letzten 30 Jahren im privaten Gebäudebereich nahezu unverändert hoch geblieben. Dies verdeutlicht die dringende Handlungsnotwendigkeit für Energieeffizienz im Wohngebäudebestand und eine strikte Vorgabe für Neubauten.

Der Masterplan 100% Klimaschutz des Landkreises Gießen betrachtet eine Reduktion des Endenergiebedarfs im Gebäudebestand um mindestens 50% als nötig, um die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Um den Gebäudebestand dabei gänzlich mit regenerativen Energien versorgen zu können, sei eine Sanierung auf mindestens den KfW Effizienzhaus 55-Standard erforderlich.

Um bis 2035 bilanziell einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, ist Berechnungen des New Climate Institutes zufolge eine Erhöhung der Sanierungsrate bei Gebäuden von aktuell 1% auf 5% notwendig. (Quelle: NCI, Studie im Auftrag von Greenpeace, 2016: "Was bedeutet das Pariser Abkommen für den Klimaschutz in Deutschland?")

Neubaumaßnahmen sind nicht nur, was den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen anbelangt, kritisch zu betrachten. Nach Angaben des Zentrums Ressourceneffizienz beim VDI verbraucht der Bausektor 90% aller mineralischen Rohstoffe, die in Deutschland gefördert werden. Gleichzeitig verursacht das Bauen 52% des deutschen Abfallaufkommens. Sanierungen dagegen sparen 2/3 an Ressourcen im Vergleich zu Neubauten. Bei Neubaumaßnahmen auf der „grünen Wiese“ ist im Hinblick auf die Nachhaltigkeit unter anderem die zusätzliche Flächeninanspruchnahme sowie der große Ressourcenverbrauch für neu zu errichtende Infrastruktur zusätzlich negativ zu werten. Außenliegende Gewerbegebiete bedingen obendrein eine Zunahme des motorisierten Straßenverkehrs.

Auf welche Weise haben Sie sich bisher bereits für diese Maßnahmen eingesetzt?

SPD

"-Angebot von unterschiedlichen Förderprogrammen (Dorfentwicklung u.a.) für Bürgerinnen und Bürger in Lollar requiriert.
-Bei städtischen Gebäudesanierungen mindestens auf KfW Effizienzhaus 55Standard.
-Verbot von Schottergärten bei der Ausweisung von Neubaugebieten."

CDU

"Die CDU Lollar hat als einzige Partei gegen den Vorratsplan zum 210.000m² großen Neubaugebiet in Ruttershausen/Odenhausen argumentiert und gestimmt. Hierbei könnten in bis zu acht Bauabschnitten in den nächsten Jahrzehnten über 300 Bauplätze entstehen. Auch bei anderen Bauprojekten ohne angemessene ökologische Ausgleichsfläche hat die CDU Lollar dagegen argumentiert und gestimmt, z.B. das letztlich verkleinerte Projekt "Hinter der Holzmühle" (zubetonierte Feuchtwiese), sowie das zum Glück nicht weiter verfolgte kleine Baugebiet in der Frischluftschneise zwischen Daubringer Straße und Lumda."

Bündnis 90 / Die Grünen

"- Verbot von Schottergärten
- Ausweitung und/oder Neuanlage von Grünflächen .......
Bei einem geplanten Neubaugebiet, werden wir u.a. die oben genannten Kriterien als Entscheidungsgrundlage nutzen."

FDP

Keine Antwort.

Welches sind Ihre drei vorrangigen, konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Maßnahmen, die Sie in der kommenden Legislaturperiode verfolgen werden?

SPD

"-Verbindlichere Vorgaben in den Bebauungsplänen für Mindeststandards KfW, Begrünung und Nutzung regenerativer Energien.
-Zukünftige Baugebiet sollen klimaneutral geplant und nachhaltiges Bauen unterstützt werden."

CDU

"Die CDU Lollar will die vorliegende Vorratsplanung zum 210.000m² großen Neubaugebiet in Ruttershausen/Odenhausen stoppen. Wie auf der Bürgerversammlung dargestellt, umfasst der erste von 8 Abschnitten neben 30-35 Bauplätzen auch eine Zubringerstraße und Entwässerungsmaßnahmen. Wir befürchten, dass dadurch Fakten für die nächsten Jahrzehnte geschaffen werden. Die Marktnachfrage wird dafür sorgen, dass der Plan sukzessive umgesetzt wird bzw. in regelmäßigen Abständen der Ruf nach dem nächsten Abschnitt kommen wird. Wir möchten dort lediglich 10-12 Bauplätze auf der unbebauten Seite des Rosenwegs schaffen. Der vorliegende Vorratsplan ist rückwärtsgewandt. Die CDU Lollar setzt sich ein für eine nachhaltige Strategie, um Leerstand zu bekämpfen und Ortskerne zu beleben.
Die CDU Lollar sieht den hohen Landverbrauch kritisch. Wir werden keinem Projekt zustimmen, das ohne angemessene ökologische Ausgleichsfläche durchgesetzt werden soll."

Bündnis 90 / Die Grünen

"- Verbot von Schottergärten
- klimaneutrale Neubauten
- verbindl. Vorgaben für PV/Solarthermieanlagen"

FDP

Keine Antwort.

Der Verkehrssektor ist Deutschlands größter Energieverbraucher und der einzige Bereich, in dem die Treibhausgasemissionen in den zurückliegenden 30 Jahren nicht zurückgegangen sind (UBA). Laut aktuellem Projektionsbericht der Bundesregierung werden die Emissionen des Verkehrssektors bis 2030 auch weiterhin nur marginal sinken, sofern nicht unverzüglich tiefgreifende Maßnahmen eingeleitet werden.

Dem ländlichen Raum kommt hierbei eine besonders große Bedeutung zu, da hier in der Regel längere Strecken zurückgelegt werden müssen, um den Arbeitsort, den Supermarkt oder einen Arzt zu erreichen, die ÖPNV-Verbindungen gleichzeitig schlechter sind und die Menschen daher umso öfter auf das Auto zurückgreifen. Im Landkreis Gießen werden ganze 90% der Personenkilometer mit dem PKW zurückgelegt. Der ÖPNV wird zu 80% nur von Schülern und Auszubildenden genutzt. Es verwundert daher nicht, dass der Verkehr für knapp 40% des Endenergieverbrauchs im Landkreis Gießen verantwortlich ist (Quelle: Masterplan 100% Klimaschutz Landkreis Gießen).

Eine aktuelle Studie des Wuppertal Institutes kommt zu dem Ergebnis, dass eine Verdopplung der Verkehrsleistung im Umweltverbund (Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr) erforderlich sei, um die Klimaschutzziele zu erreichen und die globale Erwärmung nicht über 1,5°C ansteigen zu lassen.

CDU: "Tempo 30-Begrenzung in der Talstraße Salzböden (aus Sicherheits- und Lärmgründen)."

Auf welche Weise haben Sie sich bisher bereits für diese Maßnahmen eingesetzt?

SPD

"-Ausbau des Bahnhofs Lollar zur bessern Nutzung des ÖPNV (Maßnahme läuft noch!)
-Errichtung einer P&R Anlage am Bahnhof Lollar (abgeschlossen) sowie dem Ausbau einer P&R Anlage an der Haltestelle Friedelhausen (in Planung für 2021
-Anschaffung von Elektrofahrzeugen und installieren einer elektrische Ladesäule wir auf dem Parkplatz vor dem Rathaus.
-Verbesserung von Bus- und Bahnanbindung und deren Taktung
-Erhalt und Ausbau der Abfahrzeiten der Bahn an der Haltrestelle Friedelhausen
-Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten"

CDU

"Wir sehen eine Stärkung des ÖPNV als notwendig an. Der ÖPNV muss gegenüber dem Individualverkehr attraktiver werden. Ein guter Fahrplan auf der Strecke der Main-Weser-Bahn ist wichtig für die Lebensqualität Lollars als Wohnort. Auf Initiative der CDU Lollar wird die Bahnhaltestelle Friedelhausen aufgewertet, indem neue Pendlerparkplätze geschaffen werden.
Zudem hatten wir einen Antrag zur Schaffung von Elektro-Ladesäulen gestellt."

Bündnis 90 / Die Grünen

"Durch Anträge im Kreistag, Stadtverordnetenversammlung und Magistrat. Sowie Mitarbeit im Arbeitskreis Mobilität der hessischen Grünen und in der AG Nahverkehr Hessen."

FDP

Keine Antwort.

Welches sind Ihre drei vorrangigen, konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Maßnahmen, die Sie in der kommenden Legislaturperiode verfolgen werden?

SPD

"-Ausbau der Radwege im Stadtgebiet Lollar (in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Gießen) auf Grundlage des Radwegekonzept des Landkreises Gießen
-installieren von elektrischen Ladesäulen in allen Stadtteilen"

CDU

"Wir möchten die Bahnhaltestelle Friedelhausen weiter aufwerten und attraktiver machen. Daher setzen wir uns ein für eine Busanbindung (z.B. durch eine Wendeschleife), die in den nächsten Nahverkehrsplan aufgenommen werden soll. Zudem unterstützen wir Maßnahmen zur Modernisierung des Lollarer Bahnhofs und werden dies auch in Zukunft tun.
Wir sind grundsätzlich offen für weitere Maßnahmen wie z.B. der oben genannten. Wichtig ist, dass die Interessen von Anwohnern und allen Verkehrsteilnehmern angemessen abgewogen werden. Zudem sollte es bei verkehrsbezogenen Maßnahmen nicht nur zu Verdrängungseffekten kommen."

Bündnis 90 / Die Grünen

"Eine neue bahnhofsnahe Bushalthaltestelle in Lollar soll 2023 in Betrieb gehen. Begleitung der Reaktivierung der Lumdatalbahn sowie Umgestaltung des Straßenraums."

FDP

Keine Antwort.

Bei der Produktion von Nahrungsmitteln werden global so viele Treibhausgase ausgestoßen (mehr als im Sektor Verkehr), dass allein diese Emissionen ausreichen würden, um das 1,5-Grad-Klimaziel zu verfehlen - selbst dann, wenn alle anderen menschengemachten Emissionen klimawirksamer Gase schnell und vollständig verringert würden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie (Clark MA et al. 2020: Global food system emissions could preclude achieving the 1.5° and 2°C climate change targets.), die im Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde.

Davon, dass die Ernährung Privatsache sei und jedem selbst überlassen bleiben müsse, darf insofern keine Rede mehr sein.

Der mit Abstand höchste Anteil dieser Emissionen stammt aus der Produktion tierischer Nahrungsmittel wie Fleisch, Milch und Eier. Pflanzliche Lebensmittel erzeugen im Durchschnitt nur rund ein Zehntel der Treibhausgasmissionen im Vergleich zu Tierprodukten (WWF Studie „Klimaerwärmung durch Fleischkonsum?“). Auch der „ökologische Fußabdruck“ in Sachen Energie-, Wasser- und Landverbrauch, sowie die Verschmutzung von Luft, Böden und Gewässern fällt bei konventionellen tierischen Produkten um ein vielfaches größer aus als bei der Produktion pflanzlicher Lebensmittel. (Greenpeace „Kursbuch Agrarwende 2050“)

Die Eat-Lancet-Kommission, ein Zusammenschluss aus 37 internationalen Wissenschaftlern aus Klimaforschung, Landwirtschaft und Medizin, hat eine Leitlinie für eine zukunftsfähige Ernährungsweise ausgearbeitet („Planetary Health Diet“). Eine solche Ernährung ist pflanzenbasiert (Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse) und stark fleischreduziert. Ökologisch, saisonal und regional produzierte Lebensmittel seien grundsätzlich zu bevorzugen. Gleichzeitig seien die in Produktion, Handel und Haushalt entstehenden Lebensmittelabfälle zu halbieren.

Auch die in anderen Bereichen entstehenden Abfälle sind ein bekanntes Problem, das dringend nachdrücklicher adressiert werden muss. Hier muss kommunal darauf hingewirkt werden, Müll von vornherein zu vermeiden.

Auf welche Weise haben Sie sich bisher bereits für diese Maßnahmen eingesetzt?

SPD

"-Verbot von Einwegbesteck und -geschirr bei kommunalen oder öffentlichen Veranstaltungen
-Vollständiger Pestizidverzicht auf allen kommunalen Flächen
-Schaffung von Blühstreifen bzw. Blumenwiesen auf Kommunalen Flächen (bsp. Mühlstraße Odenhausen)"

CDU

"Wir haben dem Glyphosatverbot für kommunal verpachtete Flächen in Lollar zugestimmt. Wir plädieren jedoch für mehr politische Ehrlichkeit. Wir hinterfragen zum Beispiel kritisch die geplante Bachverrohrung für ein Bauvorhaben in Odenhausen/Lahn (Weiherstraße). Die durch dieses Projekt betroffene Insektenpopulation dürfte deutlich größer sein als diejenige, die durch ein kommunales Glyphosatverbot potentiell gerettet wird."

Bündnis 90 / Die Grünen

"Wir haben beantragt und durchgesetzt, dass der städtische Bauhof keine Pestizide mehr verwendet.
Wir haben beantragt und durchgesetzt, dass auf verpachtetet kommunalen Flächen kein Glyphosat mehr eingesetzt werden darf.
Wir fordern aktuell per Antrag in der Stadtverordnetenversammlung, dass Schottergärten keine zulässige Gartengestaltung mehr darstellen.
Wir haben einen Beitrag für die Lollarer Nachrichten formuliert, der die Bürger*innen auffordert in Gärten keine Pestizide einzusetzen und der die Folgen des Einsatzes aufzeigt."

FDP

Keine Antwort.

Welches sind Ihre drei vorrangigen, konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Maßnahmen, die Sie in der kommenden Legislaturperiode verfolgen werden?

SPD

"-Schaffung weiterer Blühstreifen bzw. Blumenwiesen auf kommunalen Flächen (Rund um das Bürgerhaus Lollar, Am "Küppelchen" in Odenhausen usw.
-engere Zusammenarbeit mit den beiden Lollarer Grundschulen und der CBES bei Projekten"

CDU

"Die CDU wird die Gründung von Waldkindergärten in Lollar vorschlagen und vorantreiben. Wir unterstützen generell Wahlfreiheit der Familien und pädgogische Vielfalt. Speziell beim pädogischen Konzepts des Waldkindergartens werden Kinder frühzeitig und ihrer Entwicklung angemessen mit naturschutzbezogenen Themen vertraut gemacht.
Die Förderung von Direktvermarktungsstrukturen sollte ein Kernthema der kommenden Jahre sein. Die rechtliche Einflußnahme auf den bestehenden Handel ist natürlich begrenzt, jedoch sollte die Politik hier proaktiv den Dialog suchen.
Die CDU wird sich aktiv gegen einen unangemessenen Landverbrauch einsetzen."

Bündnis 90 / Die Grünen

"Leider sind auf kommunaler Ebene viele Faktoren nicht beeinflußbar. Z.B. ist für Schulverpflegung und die Flächennutzung in der Landwirtschaft der Kreis zuständig.
Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir dafür eintreten, dass:
- auf dem Schmadleckermarkt kein Einweggeschirr/besteck mehr geduldet wird
- Streuobstwiesen erhalten und gepflegt werden
- die Lumda renaturiert wird
- Lollar eine Feldwegesatzung erhält, die die Pflege der Randstreifen ökologisch sinnvoll regelt
- eine engere Zusammenarbeit des Lollarer LEH mit der Gießener Tafel praktiziert wird"

FDP

Keine Antwort.


Unser persönlicher Kommentar zur Wahl in allen Kommunen

In den gerade zurückliegenden Tagen wurden – unmittelbar nach einem der heftigsten Wintereinbrüche der letzten Jahrzehnte – überall in Deutschland alarmierende Höchstwerte von bis zu 21,6°C gemessen – im Februar. Zum Beispiel in Göttingen kam es dabei zu dem historischen Temperaturanstieg von 41,9 Grad innerhalb einer Woche: von minus 23,8 auf plus 18,1 Grad. Bereits der November 2020 war weltweit der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die darauffolgenden Starkregenfälle haben in Hessen ganze Städte überflutet, konnten den Grundwasserspiegel jedoch nicht normalisieren, der seit Jahren chronisch zu niedrig ist. Dies ist den zurückliegenden Dürresommern zuzuschreiben, die zu existenzbedrohenden Ernteausfällen führten und immer mehr Bäume sterben ließen. Noch nie war der Anteil an gesunden Bäumen so gering wie 2020, wie aus dem aktuellen Waldzustandsbericht der Bundesregierung hervorgeht. Auch vielen Menschen brachten die vergangenen Sommer den Tod. In den letzten Jahren hatte Deutschland mehr Hitzetote zu verzeichnen, als je zuvor – mehr als 20.000 waren es bereits im Sommer 2018.

Dies ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt der Klimaveränderungen und ihrer Auswirkungen, die bereits jetzt spürbar sind – und die nicht wieder rückgängig zu machen sind. Wir werden damit leben müssen, was wir bereits angerichtet haben – aber es darf nicht noch mehr werden. Bis 2030 muss eine Klimaneutralität erreicht sein, um die totale Klimakatastrophe zu verhindern.

Die kommende Legislaturperiode wird daher alles entscheidende Weichen für die Zukunft von uns Menschen im Lumdatal und auf dem ganzen Planeten Erde stellen. Was jetzt nicht angegangen wird, wird später kaum noch zu kompensieren oder aufzuholen oder wiedergutzumachen sein.

Daher: geht bitte wählen. Aber entscheidet sorgfältiger als je zuvor, wen Ihr wählt. Wählt nicht einfach die Partei, die Ihr immer schon gewählt habt. Wählt nicht einfach die Partei, die in ihren aktuellen Veröffentlichungen am meisten in Sachen Klimaschutz verspricht, ohne deren Glaubwürdigkeit zu hinterfragen und zu prüfen, wieviel tatsächlich dahinter steckt. Haltet Eure Augen und Eure Ohren offen. Und auch Euren Mund macht auf. Hinterfragt. Sucht das persönliche Gespräch mit den Politikern vor Ort. Geht davon aus, dass keine Antwort auch eine Antwort ist.

Und wenn Ihr Eurer Schicksal trotz sorgfältiger Wahl nicht einzig der Politik anvertrauen wollt, dann schließt Euch unserer Bürgerinitiative an. Lasst uns gemeinsam Lösungen finden, die die Politik übersieht; lasst uns Wege bahnen, auf die sich die Politik nicht wagt; lasst uns unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen und uns mit lauter, vereinter Stimme Gehör verschaffen. Es geht um unser aller Zukunft, um die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. Es ist keine Zeit mehr, um zu warten und zu hoffen.

Wir sind nicht nur verantwortlich für das,
was wir tun, sondern auch für das,
was wir nicht tun.

Molière

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