Der Pfarrer, der Dom und die Nachhaltigkeit

Eigentlich wollte ich nur ein Foto vom “Dom der Rabenau” machen, weil ich an einem Flyer für das Magazin bastle – ganz unverhofft wurde eine bereichernde Begegnung und ein Gespräch über Nachhaltigkeit daraus …

An manchem läuft und fährt man tausend Mal vorbei und meint, tausend flüchtige Blicke haben schon alles erfasst. Aber wenn man stehen bleibt, kann man plötzlich etwas ganz anderes sehen.

Selbst hier “in klein” noch imposant – der “Dom der Rabenau”

So ging es mir heute mit dem “Dom der Rabenau”. Eigentlich eigenartig, da ich für historische Gemäuer aller Art schwärme und mich auch von Berufswegen damit befasse – aber ich habe heute tatsächlich zum ersten Mal dort angehalten, mir die Kirche rundherum angesehen … und war ganz hingerissen von der Bauweise und den vielen Details, die ich entdeckt habe. Aber vor allem fiel mir auf, dass dieses mächtige, von fern durch den dunklen Stein und die hohen Mauern fast düster, in jedem Fall Ehrfurcht gebietend wirkende Gebäude ganz aus der Nähe eine viel leichtere, hellere, regelrecht heiter zu nennende Stimmung verbreitet – und der Pfarrer, der just mit einem Auto voll Pflanzerde-Säcken vorgefahren kam, als ich noch nach dem besten Winkel suchte, um den imposanten Kirchturm ganz aufs Bild zu bekommen, hat zu dieser Stimmung dann noch viel beigetragen …

Das vor der Kirche gepflanzte Apfelbäumchen wird versorgt
Lebensraum Kirche – mit zwei Regenbögen … Siehst Du sie?

Freundlich werde ich begrüßt. Die Erde sei für den Apfelbaum, den sie gerade auf der Wiese vor der Kirche gepflanzt hätten, erzählt mir Pfarrer Leissler aufgeschlossen. Gleich neben dem Bäumchen ist ein kleiner Steingarten zu sehen, in dem sich bestimmt Eidechsen wohlfühlen werden. Am Kirchturm entdecke ich ein Schild des NABU: “Lebensraum Kirche – Diese Gemeinde wurde für ihr Engagement ausgezeichnet” heißt es darauf. Schleiereule und Turmfalke nisten hier; bei der Renovierung der Kirche vor 15 Jahren wurde extra darauf geachtet, dass die Fluglöcher offen bleiben.

Gut getarnt: Regentonne in Steinoptik am “Dom”

Auch auf mehrere Regentonnen weist mich der Pfarrer hin; selbst direkt am Kirchengebäude steht – “Ton in Ton” in Steinoptik – eine Tonne, mit der das Regenwasser vom Dach der Kirche aufgefangen und genutzt wird. Der Pfarrgarten, den mir Pfarrer Leissler und seine Frau dann noch zeigen, ist sehr naturnah und mit ganz viel Liebe angelegt. Überall wachsen Kräuter, die im Sommer bestimmt eine wahre Bienenweide sind und es gibt mehrere Insektenhotels. Aus den Stämmen einiger alter Bäume, die nicht erhalten werden konnten, wurden wunderschöne Engels-Skulpturen geschnitzt. Von den Dämm-Maßnahmen, die im Zuge der zurückliegenden Renovierung des Pfarrhauses durchgeführt wurden, bekomme ich berichtet, dass der Ölverbrauch zum Heizen nun ganz erheblich geringer sei.

Mit soviel Nachhaltigkeit am “Dom der Rabenau” hatte ich gar nicht gerechnet! Aber ich habe noch mehr erfahren als nur, dass dem Pfarrer von Londorf Gottes Schöpfung offenbar sehr wertvoll ist. Ich habe auch erfahren, dass er ein offener und herzlicher Mann ist, der einer wildfremden Frau, die plötzlich auf “seinem” Kirchenplatz steht, während er eigentlich anderes zu tun hat, das Gefühl gibt, ein sehr willkommener Gast zu sein. Ich habe erfahren, dass er humorvoll ist, engagiert und einfallsreich und außerdem auch noch schön singen kann. Ich habe erfahren, dass ihm seine Gemeinde wirklich am Herzen liegt und dass er ein freundlicher Mensch ist.

Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Eine Menge. Denn wenn wir nicht unsere Nächstenliebe, unser Mitgefühl oder nenn’ es einfach: unsere Freundlichkeit ausbauen, wird der Ausbau der erneuerbaren Energien und des ÖPNV allein diesen Planeten auch nicht mehr retten.

Falls es Dir gerade nicht gut gehen sollte, Du ein offenes Ohr und ein freundliches Lächeln brauchen kannst, darfst Du mir sehr gerne schreiben. Oder Du könntest Pfarrer Leissler in Londorf besuchen gehen. Oder vielleicht schlenderst Du einfach mal dort durch den Pfarrgarten … ich bin sehr sicher, auch wenn man nicht an Gott glaubt, kann man dort viel Trost und Frieden finden.

 

Bildnachweis: Alle Fotos © Sandra Ferber

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